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Bizedonien – Zwei Schüler blicken zurück

Eine Schulgemeinschaft formierte sich neu: Drei Tage lang mutierte das Bize zum Staat

Vom Muscle Club ins Café der Finsternis

Als erste Verbundschule im Land wagte das Bildungszentrum Weissach im Tal das Projekt „Schule als Staat“ mit Kindern und Jugendlichen aller drei Schularten (Werkrealschule, Realschule, Gymnasium) auf die Beine zu stellen. 1600 Schüler und Schülerinnen und das Kollegium sahen den Projekttagen mehr als gespannt entgegen. Die beiden Schüler Gudrun Bleyer und Phillip Baumgart ziehen ein Fazit:


Weissach im Tal. Am Mittwoch, den ersten Februar, war es so weit. Nach 18 Monaten Vorbereitungszeit, in der von engagierten Schülern und Lehrern eine Verfassung aus der Taufe gehoben wurde und nach einem interessanten Wahlkampf eine Regierung gewählt wurde, die sich auf einen Präsidenten der Republik einigte, konnte das Parlament an die Arbeit gehen. Das Ziel lautete: Eine Art Staatsmodell einrichten mit einem Gerichtswesen, einem Arbeitsmarkt mit Bankwesen und einem Kontrollwesen. 
An drei Projekttagen wurde all diese Vorarbeit von den Bürgern und Bürgerinnen ausgelebt. Dem Präsidenten des Staates Bizedonien, Henrik Schreiber,  wurde in einer großen Eröffnungsfeier mit Hymne und Fahne der blaue Schlüssel der Macht von der Schulleiterin Monika Wagner-Hans überreicht. Damit war Bizedonien offiziell anerkannt und überall konnten die Pforten geöffnet werden.


Schnell tat sich ein großer Markt mit den verschiedensten Angeboten auf: Von einem „Café der Finsternis“, in welchem man sich in einem stockdunklem Raum mit Kuchen vergnügte, über „Real Angry Birds“, einer Nachbildung des populären „Angry Birds“ Videospiels, bis zum „Muscle Club“, ein Geschäft, in dem man die angesammelten Frustrationen des Schullebens in einem herzhaften, aber kontrollierten Ringen auslassen konnte, war wirklich alles vorhanden. 


Doch auch kulturell bot Bizedonien eine Menge Möglichkeiten:  Musiklehrer ebenso wie junge Schüler verdienten sich ihr Geld als Straßenmusikanten, Zeitungen wurden erstellt für ein freies Pressebild, ein staatlich organisiertes Fußball- und Volleyballtunier wurde von begeisterten Sportanhängern begleitet, eine selbsternannte Staatsreligion, welche sich die „Bruderschaft in Erwartung der großen Hummel“ nannte, brachte es auf über 400 Anhänger. Das Ministerium für Kultur und Sport sorgte für ein umfangreiches Entertainment-Programm für das Volk. Dieses umfasste Events wie „Schlag die Lehrer“, einem Wettbewerb zwischen freiwilligen Schülern und Lehrern, „Bizedoniens Supertalent“ mit starken Gesangsdarbietungen, und öffentliche Spielveranstaltungen, welche mit Musik und Moderation bei Groß und Klein großen Anklang fanden.


In dem Pavillon, in welchem normalerweise zu dieser Zeit Fünftklässler im Unterricht sitzen, war nun das Gericht eingezogen, welches in Zusammenarbeit mit der Polizei und dem Zoll für Ordnung nach den durch das Parlament verabschiedeten Gesetzen sorgte. Auch die Ministerien organisierten von dort aus ihre Aufgabenbereiche, wie zum Beispiel die Überwachung des Staates durch das Hygieneministerium oder die Doktortitelvergabe durch das Kulturministerium. Währenddessen kamen die Parlamentarier immer mal wieder im Hörsaal 3 zusammen, um neuere Entwicklungen zu diskutieren und zu begleiten, gegebenenfalls auch um neue Anordnungen zu erlassen.
Prominente Gäste wurden in der VIP-Lounge standesgemäß empfangen und bewirtet, anschließend wurden sie vom Präsidenten und seinen Ministern auf einem Rundgang begleitet. Die Bürgermeister der Zweckverbandsgemeinden waren höchst angetan von der durchdachten Organisation im Vorfeld und deren Durchführung.  Die Vertreter des Staatlichen Schulamtes Backnang, Frau Hagemüller-Gehring und H. Fackler, sprachen den Verantwortlichen höchste Anerkennung aus und sprachen von einem vorbildlichen Projekt. Der Bundestagsabgeordnete Ulrich Lange (SPD) amüsierte sich bei „Real Angry Birds“ und Profifußballer Julian Schieber genoss seine Zeit bei McDonien. 



Das Projekt war für Schüler und Lehrer ein großer Erfolg, eine organisatorische Meisterleistung. Die Verbundschule hat den Beweis erbracht, dass ein solches Vorhaben den Kontakt über die Schulartgrenzen intensivierte und alle sich einbringen und davon profitieren konnten. Den Schülern wurde auf eine spielerische Art und Weise nahe gelegt, was eigentlich wirklich hinter dem Leben in einem Staat steckt, ob sie nun Unternehmer, Freischaffende, Künstler, Beamte oder Politiker waren. Bizedonien-Präsident Henrik Schreiber resümierte: „Ich glaube, ich habe während der Vorbereitung für das Projekt und während dessen Durchführung mehr gelernt als in meiner gesamten Schulzeit zusammen.“

Fotos: S. Maurer