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Das Gehirn ist wie eine Lagerhalle: Ein Vortrag über das Thema Lernen lernen

Mit etwa 200 Besuchern war am vergangenen Donnerstagabend die Sitzmulde des Bildungszentrums Weissacher Tal gut besucht: Sie alle waren der Einladung des Eltern-beirats gefolgt, mehr über das Lernen ihrer Kinder zu erfahren. Nach begrüßenden Worten von Schulleiter Christoph Mohr und der Elternbeiratsvorsitzenden Sabine Elser begann der Vortrag des Referenten und Lerncoaches Daniel Fischer vom Lernverein Berlin (LVB Lernen e.V.) zunächst mit einer verblüffenden Tatsache: Das menschliche Gehirn hat lediglich die Größe von zwei Fäusten. „Ja, mehr ist das nicht“, konstatierte der Referent mit einem Augenzwinkern. Was folgte, war ein kurzweiliger Vortrag mit zahllosen Episoden, die aufgrund des großen Wiedererkennungswertes das Publikum des Öfteren zum Lachen und gleichzeitig zum Nachdenken anregten.

Der erste Teil des Vortrags beschäftigte sich mit der Funktionsweise des Gehirns und der daraus folgenden optimalen Nutzung desselben. Mit dem Bild des Gehirns als Lagerhalle wurde deutlich gemacht, wie wichtig Strukturen beim Lernen und regelmäßiges Wiederholen sind: Nur wenn alles an seinem Ort abgelegt ist und immer wieder Inventur gemacht wird, findet man auch nach längerer Zeit wieder das, wonach man sucht. Konkret bedeutet dies, den Lernstoff in kleine Portionen zu unterteilen, Ober- und Unterbegriffe zu finden, und nicht zu viel auf einmal lernen zu wollen. Wer sich zu viel vornimmt, hat am Ende bereits vergessen, was er am Anfang gelernt hat. Um dem normalen Prozess des Vergessens entgegenzuwirken, helfen Wiederholungsrituale und Methoden wie die (richtige) Verwendung eines Karteikastensystems. Auch wurden Lernvideos empfohlen, die den Lernstoff visualisiert, reduziert und strukturiert darbieten.

Nach einer kurzen Pause ging es um die Frage, wie es sich besser und entspannter lernt. Hierfür stellte der Referent mit viel schauspielerischem Einsatz vier verschiedene Lerntypen vor und erläuterte die Fallstricke, die sich aus dem Zusammenspiel unterschiedlicher Lerntypen in einer Klasse oder Lerngruppe ergeben können: Was den logisch-abstrakten Lerner beispielsweise zu Höchstleistung anspornt, bewirkt bei einem sicherheitsliebenden Lerner u.U. genau das Gegenteil. Damit das Lernen auch zuhause möglichst entspannt und konfliktfrei abläuft, ist es für Eltern gut zu wissen, welcher Lerntyp bei ihrem Kind bzw. ihnen selbst dominant ausgeprägt ist. Aus dieser Erkenntnis heraus lassen sich dann erfolgversprechende Lernstrategien entwickeln.

Der LVB Lernen e.V. wurde 2015 mit dem Ziel gegründet, die Bildungsgerechtigkeit in Deutschland zu erhöhen; seitdem reisen seine Referenten durch die Bildungslandschaft Deutschland und halten kostenlos Vorträge zum Thema. „Wir möchten den Druck aus dem Lernen herausnehmen und den Spaß daran erhöhen“, so der Referent in seinem Vortrag. „Denn wer Freude am Lernen hat, lernt auch besser.“ Er selbst ging mit gutem Beispiel voran, ließ den Spaß nicht zu kurz kommen und regte so das aufmerksam zuhörende Publikum zum Nachdenken über das Thema „Lernen lernen“ an. Dieses empfahl er nicht nur für die eigenen Kinder, sondern auch für einen selbst zur Chefsache zu machen. Denn dafür, so die gute Nachricht des Abends, sei es nie zu spät.