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Menschliche Werte stehen zum Verkauf

Die Theater-AG des Bildungszentrums Weissacher Tal „Spielwütig“ unter der Leitung von Juliane Putzmann zeigte am 12. und 13. Juli 2017 eine Inszenierung von Friedrich Dürrenmatts Tragikomödie „Der Besuch der alten Dame“ im Bandhaustheater Backnang. Das 1956 erschienene Stück erscheint in seiner Thematik aktuell wie provokant: Eine geldgierige und korrupte Gesellschaft verkauft ihre moralischen Werte und lügt sich dabei kollektiv in die Tasche.

„Eine Milliarde für Güllen, wenn jemand Alfred Ill tötet.“ So lautet das Angebot der in Güllen aufgewachsenen und mittlerweile reich gewordenen Claire Zachanassian, als sie nach vielen Jahren in ihre verarmte Heimatstadt zurückkehrt. Sie fordert Gerechtigkeit, wie sie es sich damals geschworen hatte, als sie im zarten Alter von 17 Jahren in Erwartung von Alfred Ills Kind aus der Stadt vertrieben wurde, da dieser die Vaterschaft leugnete. Als Prostituierte musste sie sich durchschlagen, bis sie einen reichen Ölquellenbesitzer ehelichte.
Die ach so ehrlichen Güllener, die in froher Erwartung auf einen Geldregen die reiche, alte Dame demütig in Empfang nehmen, zeigen sich zunächst entsetzt über ihr unmoralisches Angebot und halten „im Namen der Menschlichkeit“ zu ihrem Mitbürger Alfred, obwohl sie sein damaliges Verhalten missbilligen. Allerdings wird trotz Armut und Arbeitslosigkeit die Gier nach Wohlstand und Luxus unter den Güllenern immer größer, sie verschulden sich und leben über ihren Verhältnissen. Alfred, in immer größer werdendem Zweifel um die zugesagte Solidarität seiner Mitmenschen, sieht das Unumgängliche kommen und ergibt sich letztlich seinem Schicksal. Am Ende des Stücks liegt er ermordet am Boden, auf die Bürger regnet es Geldscheine, während sie ihre Tat scheinheilig in den Mantel der ausgleichenden Gerechtigkeit für Claire Zachanassian hüllen. Die Stadt wird in „Gülden“ umbenannt.
Drei Stühle auf der Bühne und ein mit schwarzem Stoff bezogener Rahmen, an dem das verdreckte Ortsschild „Güllen“ hängt. Sehr viel mehr braucht die junge Schauspieltruppe, bestehend aus Alicia Rieker, Oskar Bentele, Lisa Kugler, Sofie Aspacher, Julia Lang, Massimiliano Spanu, Chiara Cuntz, Melisa Aras, Maximilian Idler, Sarah Thietje, Alexander Karlin und Alena Kuttler, nicht für eine überzeugende Inszenierung. Mit schauspielerischem und musikalischem Talent sowie viel Freude und Herzblut für das Theater überzeugt die zusammengewachsene Truppe ihr Publikum. Ein letztes Mal ist das Stück übrigens an den 3. Backnanger Schultheatertagen am letzten Donnerstag zu sehen gewesen.